Betrugsmasche: Vermittler zahlen Geld, wenn der Bankkredit an sie zurückbezahlt wird


Betrügerische Vermittler, Kreditnehmer mit gefälschten Einkommensnachweisen und Bankmitarbeiter, die möglicherweise von all dem wussten: Die Staatsanwaltschaft Oldenburg ermittelt in einem Dickicht von Gaunereien.

Das Angebot klingt nach leicht verdientem Geld: Wer einen Kredit beim Vermittler aufnimmt und den Kreditbetrag nach der Auszahlung bei diesem abliefert, erhält 1.000 Euro Prämie auf die Hand. Mit dieser Masche wurden mehr als 100 Russlanddeutsche im Raum Osnabrück von einem Finanzvermittler geködert.

Nachdem sie auf das Angebot eingegangen waren, folgte aber die böse Überraschung: Der Vermittler stellte nach kurzer Zeit die Ratenzahlungen ein. Die zumeist Arbeitslosen Kreditnehmer blieben auf ihren Darlehen sitzen und konnten sie nicht zurückzahlen. Die Kredite wurden in einer Filiale der HypoVereinsbank in Osnabrück ausbezahlt.

Die in der Regel nicht ausreichend kreditwürdigen Darlehensnehmer sollen sich den Zugang zu den Krediten mit gefälschten Gehaltsnachweisen verschafft haben. Mehrere Dutzend beteiligte Kreditnehmer wurden deshalb wegen Betrugs und Urkundenfälschung bereits verurteilt.
Auch gegen drei Mitarbeiter der Bank wird offenbar ermittelt.

Zwar hatte die zuständige Staatsanwaltschaft die Ermittlungen gegen die Angestellten zeitweise eingestellt. Neue Zeugenaussagen haben aber offenbar den Verdacht erhärtet, dass die Banker von der Betrugsmasche gewusst haben und sogar an den Einnahmen beteiligt gewesen sein könnten. Zeugen hatten ausgesagt, dass die Beratungsgespräche zum Teil weniger als fünf Minuten gedauert hätten. Zudem seien die Antragsformulare bereits vorab ausgefüllt gewesen.

Die wegen Betrugs verurteilten Kreditnehmer blieben auf Schulden zwischen 15.000 und 25.000 Euro sitzen. Die windigen Vermittler hingegen machten ein gutes Geschäft: Insgesamt sollen sie mehr als 2,5 Millionen Euro erbeutet haben. Gegen sie läuft allerdings ein Verfahren vor dem Landgericht Oldenburg.

Es ist verhältnismäßig einfach, sich gegen solche Machenschaften zu schützen. Verbraucher müssen von dubiosen Angeboten, bei denen es sich offenkundig im Betrug handelt, Abstand nehmen. Dass ein ausbezahlter Kredit an den Finanzvermittler weitergereicht werden soll, ist ein sicheres Indiz für einen Betrugsfall. Solche Angebote finden sich nicht in Zeitungsannoncen und im Videotext. Wer im Bekanntenkreis auf ein solches "Modell" angesprochen wird, sollte hellhörig werden.

Das gilt auch, wenn der Partner oder ein Freund an solchen "Geschäften" teilnimmt und eine Bürgschaft oder einen zweiten Antragsteller suchen. Partner oder Freund verfolgen vielleicht nicht bewusst betrügerische Absichten und werden von der Aussicht auf schnell verdientes Geld geblendet. Bürgen und Mitantragsteller könnten sich im schlimmsten Fall als Mittäter strafbar machen.

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