Kreditvermittler vs. Kreditvergleich: Wo ist der Unterschied?


Ein Kreditvermittler wählt auf Anfrage eines Kunden einen für dessen Ansprüche geeigneten Kredit aus. Vergleichsportale im Internet listen verschiedene Kreditangebote auf und erleichtern Verbrauchern die Suche nach einem geeigneten Darlehen. Die Angebote von Vermittlern und Vergleichsportalen sind nicht grundverschieden, aber auch nicht deckungsgleich.

Die meisten Vergleichsportale agieren rechtlich betrachtet als Tippgeber und nicht als Kreditvermittler. Für diese Tätigkeit ist nach geltender Rechtsprechung keine gesonderte Genehmigung als Kreditvermittler erforderlich. Vergleichsportale verdienen ihr Geld dadurch, dass Kreditinteressenten über ihre Vergleichsrechner den Weg auf die Homepage einer Bank finden und dort einen Kreditvertrag abschließen.

Die große Zahl der im Internet erreichbaren Vergleichsportale darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass es Vielfalt in diesem Segment leider nicht gibt. Ein Großteil der Vergleichstools stammt von zwei oder drei Anbietern, die externen Webseitenbetreibern ihre Rechner zur Verfügung stellen und die Inhalte der Datenbank aktualisieren. Zu den größten Anbietern zählen z. B. Check24.de, Finanzen.de und Vergleich.de. Der Rat vieler Verbraucherschützer, bei der Kreditsuche im Internet stets mehrere Portale aufzusuchen, läuft deshalb regelmäßig ins Leere.

Vergleichsportale sind ein Massengeschäft. Die Anbieter haben ein Interesse daran, so viele Kreditinteressenten wie möglich weiterzuleiten, weil nur dann die Provisionen maximiert werden.

Die Portalbetreiber können deshalb nicht auf die individuellen Voraussetzungen jedes Kreditinteressenten eingehen. Stattdessen sind die Rechner so gestaltet, dass ein möglichst großer Kundenkreis angesprochen wird. Selbständige, Senioren, Geringverdiener und Verbraucher mit Negativmerkmalen bleiben außen vor und kommen für einen Großteil der in den Vergleichstools gelisteten Offerten gar nicht in Betracht. Das gilt auch für Interessenten, die besonders große Kreditbeträge oder längere Laufzeiten wünschen. Je weiter sich Nutzer von Vergleichsportalen vom "statistischen Durchschnitt" entfernen, desto geringer ist ihr Nutzen aus den Tools.

In der Theorie wäre es für die Portalbetreiber kein Problem, ihre Vergleichstools individueller zu gestalten. Denkbar wäre z. B. Eine Eingabemaske, die die Suchergebnisse auf Kredite reduziert, die auch für Selbständige, bei negativem SCHUFA-Eintrag oder auch für Leiharbeiter erhältlich sind. Die Praxis sieht grundlegend anders aus. Die Oberfläche ist so gestaltet, dass sie nach Möglichkeit niemanden ausschließt (besser gesagt versucht sie, es jedem Recht zu machen) und keinerlei Anforderungen an den Nutzer stellt.

Kreditvermittler arbeiten anders. Sie kennen das Profil des Kunden, wenn dieser eine Anfrage stellt: Einkommen, Beruf und Zahlungshistorie (soweit diese vorab grob abgefragt wird) sind bekannt. Dadurch können Vermittler bereits im ersten Schritt der Antragsbearbeitung eine Vorsortierung vornehmen und ausschließlich Angebote von Banken vermitteln, deren Kreditvergaberichtlinien auch tatsächlich zum Kunden passen.

Dafür nimmt der Kunde etwas mehr Intransparenz in Kauf: Ein Vermittler wird zwar schon allein aus reinem Eigeninteresse keine unnötig teuren Kredite anbieten (weil er Geld nur beim Zustandekommen eines Vertrages erhält). Liegen mehrere Offerten nahe beieinander, entscheidet er aber ohne Wissen des Kunden um die anderen Anbieter, welches Angebot vermittelt wird.

Kategorie: Was macht ein Kreditvermittler?